Das Lächeln der Delfine – eine verhängnisvolle Täuschung der Natur

Albino juvenile dolphin named "Angel" captured in Taiji, swims repeated circles in a tiny tank at the Taiji Whale Museum. Her family was butchered for human consumption. Photo: Angel Melody

Von Shiray Tan

Hi, mein Name ist Shiray, ich bin 15 Jahre alt und komme aus Malaysia. In den letzten Jahren habe ich viele Posts auf Facebook gesehen, die die Jagd auf Delfine zeigen. Da mich das sehr interessierte, fing ich an, nach Informationen darüber zu suchen. Und so lernte ich viel darüber, was mit den Delfinen in Taiji, Japan, geschieht.

Dann sah ich einen Film, der genau diese Geschichte der Delfine in Taiji zeigt: Die Bucht. Noch nie hat mich ein Film so sehr berührt wie dieser. Zu wissen, was diesen wunderschönen, intelligenten Geschöpfen angetan wird, brach mein Herz. Deshalb begann ich, alle Informationen über Delfine in Gefangenschaft zu sammeln, die ich finden konnte. Was ich sah, war schockierend. Noch nie hatte ich so viele Tränen vergossen. So beschloss ich, über das traurige Schicksal dieser Meeressäuger zu berichten.

Albino-Delfin «Angel», gefangen in Taiji, schwimmt wiederholt im Kreis in einem winzigen Becken im Taiji Walmuseum. Ihre Familie wurde für die Unterhaltung der Menschen geschlachtet. Foto: Angel Melody

Ich habe schon immer gern geschrieben und hoffte, meine Geschichte würde dazu beitragen, die Menschen auf das Leiden der Delfine aufmerksam zu machen. Mein Lehrer bat mich, meine Geschichte in der Schule vorzutragen. Viele meiner Mitschüler mussten weinen. Einige sagten, Delfin-Shows besucht zu haben, und dass sie dies nie wieder tun würden. Mein Lehrer sagte, die Geschichte sei sehr berührend. Auch er und seine Familie würden nie wieder eine Delfin-Show besuchen.

Shiray Tan vertritt stolz ihren Standpunkt: Gegen Delfine in Gefangenschaft.

Im Juli 2015 wurde ich von Suzette Ackermann, einer unabhängigen Tieraktivistin, nach Hongkong eingeladen, um meine Geschichte in einer Show zu präsentieren. Meine Hoffnung war, dass die Zuhörer – vor allem die Kinder – das Erfahrene nie vergessen und deshalb das Geschäft der Delfinarien nicht mehr unterstützen. Es war fantastisch, auf dieser Bühne zu stehen. Doch danach wollte ich nicht hören, wie großartig mein Vortrag war, sondern so etwas wie: «Diese Geschichte hat mich berührt. Nie wieder werde ich eine solche Show besuchen. Solche Machenschaften will ich nicht unterstützen».

Nachfolgend eine Kurzversion meines Vortrages:

Das Lächeln der Delfine

Die meisten von uns denken, die Delfine lächeln, weil sie fröhlich sind. Doch leider ist dies eine große Täuschung. Es ist bloß ein körperliches Merkmal, so dass es aussieht, als ob sie lächeln würden. Sie können es nicht steuern und es hat nichts mit ihren Gefühlen zu tun. Die meisten Menschen wissen das nicht. Das «Lächeln» der Delfine ist auch dann zu sehen, wenn sie traurig sind, wenn sie Schmerzen empfinden, ja selbst, wenn sie schon tot sind. Es ist dieses schöne, trügerische Lächeln, das sie zu Opfern der Menschen macht.

Dieses für sie so verhängnisvolle Lächeln verführt uns dazu, uns in diese wunderbaren Geschöpfe zu verlieben. Wir wünschen uns so sehr, ihnen nahe zu sein, sie zu berühren, küssen und mit ihnen zu schwimmen. Einige von uns möchten deshalb sogar Delfin-Trainer werden.

Während meiner Recherche über Delfine sind mir sogar Menschen begegnet, die der Meinung waren, Delfine in Gefangenschaft könnten sich glücklich schätzen, weil sie kostenlose Unterkunft bekämen und sich ihr Essen nicht selbst erjagen müssten. Deshalb möchte ich euch hier berichten, was wirklich mit diesen hochsensiblen Geschöpfen gemacht wird – genau jetzt, in diesem Moment.

Delfine leben frei im Ozean. Sie sind die besten Wellenreiter der Welt! Einige von ihnen nutzen Seeschwämme, um ihren Schnabel bei der Nahrungssuche vor Verletzungen zu schützen. Sie sind verspielt, werfen sich zum Beispiel gegenseitig Seetang zu, so wie wir miteinander Ball spielen. Sie lieben es, aus dem Wasser zu springen und sogar Purzelbäume zu schlagen. Sie spielen Fang mich und wurden sogar dabei beobachtet, wie sie Ringe aus Luftblasen machen und diese zu den Kameraden pusten. Genau wie Menschen leben sie in einer sozialen Gemeinschaft, haben Familie, Freunde, Verwandte. Sie sind überaus soziale Wesen, die in Gemeinschaften mit bisweilen mehr als 100 Mitgliedern leben.

Wilde Delfine beim Wellenreiten am Wategos-Strand, Byron Bay, Australien. Foto: Sarah Jones

In Taiji jagen die Fischer Delfine jedes Jahr von September bis März. Wenn sie Delfine finden, hämmern sie gegen Stahlrohre, und machen damit sehr viel Lärm unter Wasser, um die Tiere zu verängstigen und zu verwirren. In Todesangst wollen die Delfine vor dem Lärm fliehen. So können die Fischer sie in eine kleine Bucht treiben und sie mit Netzen fangen.

Dann beginnt die wahre Tortur. Zuerst kommen Delfintrainer, die sich die besten «Exemplare» aussuchen, um sie an Delfinarien weltweit zu verkaufen. Die anderen werden ihrem Schicksal überlassen.

Dann kommen die Fischer und rammen scharfe Metallstangen in die Wirbelsäulen der Meeressäuger. Ihr Blut färbt das Wasser rot, die gesamte Bucht riecht nach Blut. Die Luft ist erfüllt mit den Schreien der verängstigten Delfine, während sie furchtbare Schmerzen erleiden und sich im Todeskampf winden. Sie müssen zusehen, wie ihnen die Babys gewaltsam entrissen werden und wie ihre Familienmitglieder und Freunde brutal abgeschlachtet werden, wohl bewusst, dass sie die nächsten sein werden.

Die Jungtiere, die für den Verkauf ausgewählt sind, erwartet lebenslange Gefangenschaft. Sie sind traumatisiert, da sie gewaltsam ihrer Familie entrissen wurden und gezwungen waren, zuzusehen, wie die, welche sie lieben, entsetzliche Qualen erleiden, bis sie sterben. Kannst du dir vorstellen, wie sich das anfühlt? Entführt zu werden und lebenslang in einen Raum der Größe eines Badezimmers eingesperrt zu sein, mit der Erinnerung, wie deine gesamte Familie ausgelöscht wurde?

Diese Geschöpfe werden für hohe Summen an Delfinarien in der ganzen Welt verkauft, wo sie ihr Leben als «Entertainer» beginnen. Entrissen aus der Weite des Ozeans fristen sie nun ein Leben in winzigen Betonbecken, gefüllt mit ätzendem Chlorwasser. Sie müssen toten Fisch fressen und werden gezwungen, allerlei unnatürliche, absurde Kunststücke vorzuführen zur Unterhaltung der Menschen. Alles für den Profit.

Wenn du während einer solchen Show genau hinschaust, bemerkst du vielleicht, wie die Augen der Delfine stets auf die Fischeimer gerichtet sind. Denn sie sind ausgehungert. Sie kriegen erst etwas zu essen, wenn sie das richtige Kunststück gezeigt haben. «Du tust, was ich befehle, dann bekommst du ein kleines Häppchen». Nur deshalb machen sie ihre «Tricks». Weil sie hungrig sind und essen müssen.

Bitte denkt daran, dass die Delfine in diesen Shows nie lächeln. Hinter dem, was wie ein Lächeln aussieht, verbirgt sich ihr Leid, Stress und ihr stummes Flehen: «Hilf mir»!

Wir müssen verstehen, dass Delfine hochintelligente Lebewesen sind, die ähnlich komplexe Gefühle haben wie wir. Sie verhalten sich wie Menschen! Sie haben ihre eigene Art, zu kommunizieren. Jeder Delfin in einer Gruppe hat einen Namen in Form eines einzigartigen Pfeifsignals und wird von den anderen mit diesem gerufen! Sie nennen sich also beim Namen! Sie sind selbstbewusst, erkennen sich im Spiegel. Bei Menschen unterscheiden sie zwischen Erwachsenen und Kindern und sie wissen, wenn eine Frau schwanger ist. Sie verwenden während der Jagd Werkzeuge und trauern um ihre Verstorbenen. Nur weil wir die Sprache der Delfine nicht verstehen, dürfen wir nicht ihre Gefühle und ihre Intelligenz leugnen.

Könnten wir ihre Sprache verstehen, hörten wir vielleicht auch ihre Hilferufe: «Bitte sag mir warum? Was habe ich getan? Warum hast du mich meiner Familie entrissen? Ich vermisse sie! Ich vermisse das Meer, die Freiheit! Ich möchte wieder Wellen reiten mit meinen Freunden! Das Chlor verätzt meine Augen! Das Betonbecken ist so winzig, dass ich mich kaum darin wenden kann! Ich habe hier keine Freunde. Ich bin einsam… Bitte lass mich gehen. Lass mich zurück ins Meer. Bitte lass mich frei.»

Die Lebenserwartung von Delfinen in Gefangenschaft ist kürzer als in Freiheit. Warum? Weil Delfine in Gefangenschaft depressiv und ständig gestresst sind. Oft haben sie körperliche Beschwerden und psychische Probleme. Dafür werden sie mit Antibiotika und Steroiden behandelt. Sie sollen fit aussehen und während der Shows einwandfrei funktionieren.

Gefangene Delfine machen Kunststücke im Ocean Park Hongkong. Was sind solche Becken im Vergleich zu 100 Kilometern und mehr, welche Delfine pro Tag zurücklegen. Foto: Sasha Abdolmajid

Manche dieser armen Geschöpfe begehen sogar Selbstmord, weil sie ihr Leben nicht mehr ertragen. Einmal habe ich ein Video gesehen, das zeigte, wie ein Delfin immer wieder aus dem Becken sprang und sich auf den Beckenrand legte, wohl wissend, dass seine Haut austrocknen und er damit sterben würde. Immer wieder versuchte das arme Tier, auf dem Beckenrand zu bleiben, doch es rutschte immer wieder ins Becken zurück.

Ich habe auch erfahren, dass gefangene Delfine – wie Peter, Kathy und viele andere – Selbstmord begangen haben, indem sie aus dem Becken sprangen, aufhörten zu atmen, nicht mehr fraßen oder den Kopf in die Beckenwand rammten. Für diese hochintelligenten Kreaturen wurde das Sklavenleben so unerträglich, dass der Tod der einzige Ausweg war.

An alle Delfintrainer da draußen: Liebt ihr Delfine? Falls ihr ja sagt, wie könnt ihr sie eigenhändig ihrer Freiheit entreißen, weg von Freunden und Familie, um sie ins Gefängnis zu stecken, in winzige Betonbecken, zum Vergnügen der Menschen und für den Profit? Ist das Liebe? Nein. Das ist Folter und grausamer Missbrauch. Wenn ihr Delfine liebt, dann gebt ihnen die Chance, da zu sein, wo sie hingehören: In den Ozean!

Tief in unseren Herzen wissen wir, dass wir unseren Kindern die Möglichkeit geben wollen, Delfine in Freiheit zu erleben, Freundschaft mit ihnen zu schließen. Deshalb kauft bitte keine Karten für Delfin-Shows. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn niemand mehr diese Shows sehen will, werden keine Delfine mehr gefangen – und getötet.

Und bitte entlasst alle Delfine in die Freiheit. Denn sie verdienen es, so zu leben, wie sie geboren wurden. Wie Jacques Cousteau sagte,

Wenn wir Tieren ihre Freiheit zurückgeben, geben wir ihnen zurück, was ihnen bereits gehörte. Denn Menschen können Tieren keine Freiheit geben, sie können sie ihnen nur nehmen.

Also lasst uns gemeinsam aufstehen und sagen: NEIN ZU DELFINEN IN GEFANGENSCHAFT! Sie gehören ins Meer.


Besonderen Dank an Suzette Ackermann für ihre Einladung nach Hongkong und an Sasha Abdolmajid, Katharina S. Goerlich und Hans Peter Roth für ihre Unterstützung beim Übersetzen und Redigieren dieses Artikels!

Zur Kenntnisnahme: Shiray hat den gesamten Inhalt dieses Artikels selbst verfasst. Wir von Ceta Journal betrachten es als unsere Verantwortung, die junge Generation zu ermutigen und zu unterstützen, für eine bessere Zukunft, ihre eigene Zukunft einzustehen. Wir freuen uns, Shiray hiermit eine Plattform für ihr Anliegen zu bieten.

2 Kommentare

  1. Franziska Türk sagt:

    Ich finde es schön wenn junge mensche eine gesunde Einstellung und Mitgefühl für Tiere haben. Tiere sind die besseren Menschen. Ich schäme mich der Gattung Mensch anzugehören denn diese werden immer blöder. Delfinarien, Zoos, Zirkusse all dies meide ich schon seit Jahren. Und wenn ich mal ein Kind bekomme wird es von mir aus auch nie ein solches besuchen. Zumindest nicht mit mir. Es fehlt den heutigen Eltern an Erklärungsnot und sie haben falsches denken wie sie ihre Kinder sonst beschäftigen oder kulturell „bilden“ könnten. Hier wird wieder technisches denken aber nicht menschliches denken in Kraft gesetzt. Leider!!!

  2. Marion Stauss sagt:

    Seit ich verstanden habe was da mit diesen wunderbaren Geschöpfen geschieht war ich nie wieder in einer solchen Show oder einem Aquarium in dem solche Tiere oder Haie gehalten werden. Es ist einfach nicht vertretbar! Die Welt braucht mehr solche jungen Menschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Warning: A non-numeric value encountered in /homepages/22/d423113668/htdocs/cetajournal/wp-content/plugins/mashshare-sharebar/includes/template-functions.php on line 135