Von der Gleichgültigkeit zum aktiven Befürworten der Grindwaljagd

An armada of high-powered motor yachts and boats chasing pilot whales. Photo: Andrija Ilic / Reuters

Von Erla Brekkustova

Tórshavn – Als Kind der 1960er assen wir gelegentlich Grindwalfleisch und -Speck, aber nicht oft, denn niemand in unserem Haushalt nahm an der Treibjagd oder bei der Schlachtung teil. So war unser Verzehr während meiner gesamten Kindheit vermutlich stets innerhalb der empfohlenen Normen der Gesundheitsbehörden, nachdem deren Studien negative Einflüsse von Quecksilber auf die Leistung von Kindern belegt hatten.

Pilot whale meat and blubber has regained popularity even amongst the younger generation, as a defensive reflex against the pressure from radical foreign conservationists. Photo: Arne List

Als Abwehrreflex gegen den Druck radikaler ausländischer Umweltaktivisten ist Grindwalfleisch (dunkel) und -Speck (rosa) auch bei der jüngeren Generation wieder beliebter. Foto: Arne List

Während meiner Zeit am Gymnasium ass ich zu Mittag in der Regel eine warme Mahlzeit. Da wurde regelmässig Grindwalfleisch oder –Speck serviert, so etwa einmal die Woche. Ich hinterfragte das nie, habe aber später realisiert, dass die Schule dieses Fleisch wohl kostenlos erhielt. So versorgte sie eine heranwachsende Generation von künftigen Eltern mit Nahrung voller Quecksilber und anderen Schadstoffen, die insbesondere die Föten belasten.

Kurz nach Abschluss des Gymnasiums erfuhr ich, dass Leber und Nieren besonders viel Quecksilber enthielten und es wurde geraten, auf den Verzehr jeglicher Innereien zu verzichten. 1998 schliesslich erhielten wir die Empfehlung, Grind oder Walspeck nicht mehr als ein- bis zweimal pro Monat zu essen.

Bis vor wenigen Jahren war ich überzeugt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Tradition der Grindwaljagd auch bei uns auf den Färöern enden würde (früher wurde sie vielerorts im Nordatlantik praktiziert). Die junge Generation interessierte sich nicht für diese Nahrungsquelle und noch weniger für die Jagd. Sobald sich also die älteren Jungs wirklich aufs Altenteil setzen würden, wäre die Ära der Grindwaljagd beendet.

Als weiterer Grund für das baldige Aus der Grindwaljagd war die neu herausgegebene Empfehlung der Gesundheitsbehörden zu sehen, die festhielt, dass Grindwalfleisch und -Speck wegen verschiedener Schadstoffe nicht zum Verzehr geeignet sei.

Doch soweit kam es nicht – wegen einer sehr aggressiven und konfrontativen sogenannten Umweltorganisation, die entschieden hat, sie werde das färöische Volk zum Stopp der Grindwaljagd zwingen. Doch in Wirklichkeit erzeugte dieser Druck einen Gegendruck. Die heftige Art, den Leuten weiszumachen, ihr Verhalten sei falsch, erzeugt einen Abwehrreflex. Dadurch ist die junge Generation nun plötzlich wieder zu begeisterten Walfängern geworden und selbst schwangere Frauen rühmen die grandiose Fleischquelle.

Dank dieser Umweltorganisation wird die Grindwaljagd nun also für zwei weitere Generationen fortgesetzt und die Bevölkerung wird belastetes Fleisch essen. Die Ressourcen wären wohl besser in den Kampf gegen die Meeres-verschmutzung geflossen – zum Schutz der Wale wie auch der Weltbevölkerung.

(Übersetzt von Hans Peter Roth)

Erla Brekkustova hat diesen Eintrag am 27. Juli 2015 auf ihrer färöischen Blog-Seite „Brekkustovu“ veröffentlicht.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.


Warning: A non-numeric value encountered in /homepages/22/d423113668/htdocs/cetajournal/wp-content/plugins/mashshare-sharebar/includes/template-functions.php on line 135