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Die lange Leidensgeschichte der sanften Riesen

11 März, 2018

Früher war Walfang mühsam und gefährlich, dann wurde er zum effizienten Geschäft. Japan verkauft ihre tödliche Mission als Wissenschaft, aber es gibt auch Widerstand im eigenen Land. Und der Walfang ist nur eine der existenziellen Bedrohungen.

Von Jennifer Rieger, Deutschlandfunk Kultur

Eine japanische Aktivistin will aufklären

Momentan sei die Organisation nicht sehr aktiv, sagt Nanami Kurasawa, Walfang ist gerade kein sehr populäres Thema in Japan. Daher organisiert sie im Moment kaum Kundgebungen oder Demos – solche Methoden haben hier keinen großen Erfolg. Stattdessen arbeitet die Aktivistin mit anderen, größeren Organisationen zusammen. Greenpeace zum Beispiel:

„Yes, and also WWF Japan or Nature Conservation Japan and Wild Birds Society of Japan.“

In erster Linie will Nanami aufklären. Sie breitet eine Broschüre auf dem Tisch aus, die eine deutliche Sprache spricht: „Wissenschaftlicher Walfang – Es ist Zeit, aufzuhören!“ steht darauf.

Diagramme mit Balken und gezackten Linien zeigen die Bestände und den Verbrauch an Walfleisch in Japan.

Ungefähr 30 Gramm Walfleisch isst der Durchschnittsjapaner pro Jahr, sagt Nanami Kurasawa. Das entspricht etwa einem halben Schokoriegel. Trotzdem hängen vor allem ältere Generationen am Walfleisch. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg half es dem Land über die Lebensmittelknappheit hinweg, eine ganze Generation von Kindern wuchs mit Walfleisch als Teil des Schulessens auf.

Argumente stoßen größtenteils auf taube Ohren

Japanische Walfänger mit ihrer Beute (Kyodo / MAXPPP)

Nanami Kurasawa: „Heute haben kaum noch Firmen Interesse, den Walfang wiederaufzunehmen. Es ist kein gutes Geschäft, aber die Regierung gibt eine Menge Steuergelder aus, um es aufrechtzuerhalten. Es ergibt keinen Sinn.“

Wale zu fangen sei nicht nur unwirtschaftlich, es schade auch dem Ökosystem. Wale und Delfine, argumentiert Nanami, spielen eine wichtige Rolle für das natürliche Gleichgewicht im Meer. Doch ihre Argumente stoßen größtenteils auf taube Ohren.

„Der Druck von außen ist zu groß. Die japanische Bevölkerung denkt, dass ich nur tue, was ich tue, weil es Druck aus dem Ausland gibt.“

Umweltorganisationen wie Greenpeace und die Sea Shepherd Conservation Society haben über Jahrzehnte so viel Druck gemacht, dass jede Kritik am Walfang wie ein Echo der Kritik aus dem Ausland wirkt. Kritik, gegen die es die japanische Kultur und Tradition zu verteidigen gilt:

Ich glaube, es hat mit Nationalismus zu tun. Wir mögen es nicht, wenn uns andere Länder vorschreiben wollen, was wir tun sollen.

Taiji gilt als Geburtsstätte des historischen Walfangs in Japan. In der Edo-Periode, vom frühen 17. bis ins 19. Jahrhundert, machten die Menschen hier mit schnellen Ruderbooten Jagd auf Pottwale, Glattwale, Buckelwale und Grauwale, die an der Küste entlangzogen.

 

Hier geht’s zum vollständigen Artikel: www.deutschlandfunkkultur.de 

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